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TextArt Magazin

2015

TextArt 4 / 2015

Leseprobe:

Schreiben für die Bühne

Wie Sie Ihren Stoff in Szene setzen (Teil 1)

Von Thomas Schrage

Dem Drama, der einst bevorzugten Gattung der Literatur, mag mancher Schreibende mit Respekt begegnen. Dabei muss ja nicht gleich ein Geniestreich daraus werden. Dennoch: Spannungsreich soll das Drama sein und die Konflikte in funkelnder Figurenrede gegenwärtig machen. Wie Ihnen ein bühnenreifer Text gelingt, zeigt Ihnen unser Autor Thomas Schrage in einem Praxisartikel.

Grundlagen
Eine der drei literarischen Hauptgattungen ist das Theaterstück, wissenschaftlich korrekt: das Drama. Wobei damit nicht gemeint ist, dass es darin immer tragisch zugeht, komödiantisch darf’s auch sein. Das Wort „Drama“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Handlung“. Wobei „Gespräch“ beinahe besser passen würde, denn von den beiden anderen Literaturgattungen Lyrik (Gedicht) und Prosa (Erzählung) unterscheidet es sich nicht zuletzt dadurch, dass der Text das darstellt, was Schauspieler auf der Bühne sprechen.
Ein Theaterstück besteht also im Wesentlichen aus wörtlicher Rede – von gelegentlichen Handlungsvorgaben (Regieanweisungen) abgesehen. Es unterteilt sich in Dialoge (mehrere Personen sprechen miteinander) und Monologe (jemand spricht für sich alleine). Mehr hat man nicht, um eine Geschichte zu transportieren. Anders als in der Erzählung können Sie nicht einzelne Aspekte genauer ausbreiten, wie etwa thematische Hintergründe, Wahrnehmungen der Figuren usw. Und das bringt mit sich, dass man einiges beachten muss, wenn man ein Stück schreiben will.  – Sie wollen eins schreiben? Prima – gehen wir auf Erkundung, wie man es angeht.
Am Anfang steht häufig ein Anlass, für den man schreibt: für ein Theaterensemble etwas mit passendem Rollenangebot, für das Stadtfest etwas zum Gründungsjubiläum oder für ein Kulturfestival etwas zum Themenabend. Oft gibt es auch gleich einen Stoff: einen zeitpolitischen Gegenstand oder ein historisches Ereignis.
Im Folgenden soll als Beispiel ein altes Sagenmotiv herhalten, nämlich „Wie Siegfried den Drachen erschlug“. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ob das als Stoff für einen ganzen Theaterabend wirklich ausreicht, erzählt sich der Ablauf davon doch recht flott. Doch anhand dieser durchaus dürren Vorgabe lässt sich gut veranschaulichen, wie man eine Geschichte für die Bühne aufbereitet und auch Knappes zu etwas Wirksamem werden lassen kann.
Vorab sei vielleicht noch erwähnt, dass wir uns im Folgenden auf das Schreiben eines psychologisch angelegten Bühnentextes konzentrieren. Nein, damit ist keine Therapeutenanalyse gemeint, sondern dass sowohl in Sprache als auch im Figurenverhalten ein realistischer, lebensnaher Ton angeschlagen wird. Im Gegensatz dazu stünden etwa Texte im Versmaß oder mit abstrakt überhöhter Symbolhandlung. Am Ende des zweiten Teils kommen wir auf derartige Formen noch einmal zurück.
Wie gesagt, müssen Sie Ihren Stoff mit einer Reihe von Gesprächen erzählen. Damit Sie beim Schreiben nicht zu viel von, im wahrsten Sinne des Wortes, leerem Gerede produzieren, empfiehlt es sich, Ihre Geschichte zunächst gut vorzustrukturieren. Dann fällt das Anlegen der benötigten Dialoge sehr viel leichter.
Der Aufbau
Ein gelungener Arbeitsbeginn ist, die Geschichte kurz zu skizzieren. Im Falle unseres Beispiels „Wie Siegfried den Drachen erschlug“ also etwa: Siegfried kommt ins Gebirge, hört vom erbarmungslosen Drachen, zieht los, um ihn zu suchen, erschlägt den Drachen, badet in dessen Blut, das unbesiegbar macht, hat am Ende alle befreit, die unter ihm gelitten haben.
Sie sehen: Hier wurde die knappe Handlung schon um Menschen, „die gelitten haben“, erweitert. Denn sowohl für das Nennen von Informationen als auch um Konflikte spürbar werden zu lassen, ist es immer eine Erleichterung, wenn mehrere Menschen anwesend sind. Versuchen Sie also jetzt schon vorzubereiten, dass in Ihrem Stück Personen aufeinandertreffen. Beliebt ist beispielsweise der Kniff, einer Hauptfigur jemanden beiseite zu stellen, dem sie ihre Gedanken und Pläne mitteilen kann.
Aus unserer kleinen Skizze ergeben sich außerdem einige Fragen, durch deren Beantwortung Sie den Aufbau der Handlung weiter vorantreiben können: Wo genau kommt Siegfried hin (Einsamer Winzerhof? Kleine Stadt?), wie erfährt er, was der Drache treibt (War gerade ein Überfall? Traut sich keiner in den Wald?), wozu macht sich Siegfried auf die Suche nach dem Drachen, was passiert, nachdem der Drache gestorben ist? Sie werden so auch weitere Figuren erahnen, die erscheinen müssen. Verfeinern Sie Ihre Strukturierung und stellen Sie sich immer wieder W-Fragen (Wo, Was, Wie, Wozu ...). Antworten Sie mit Fantasie. Im Ergebnis sollten Sie schließlich eine recht ausführliche Anlage für Ihr Stück haben.
Als Verfeinerung können Sie Ihren Handlungsablauf noch in dramaturgische Sinnabschnitte einteilen. Möglich sind beispielsweise: 1. Einführung in die Ausgangssituation; 2. Zunahme der Konfliktanzeichen; 3. Konfliktausbruch/Wendepunkt; 4. weitere Verdichtung; 5. Höhepunkt/Abschluss. Diese Einteilung hilft, um in den Erzählablauf, mit dem Sie Ihre Geschichte erzählen, eine wirkungsvolle Steigerung hineinzubekommen. Die obige Gliederung in fünf Abschnitte funktioniert sowohl bei Komödien als auch bei Tragödien und folgt der Akt-Einteilung des klassischen Dramas (dazu im zweiten Teil mehr). Für eine straffere Erzählweise können Sie die Abschnitte 2 und 4 auch weglassen.

Den gesamten Praxis-Artikel lesen Sie in Ausgabe 4-2015 von TextArt.

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TextArt 3 / 2015

Leseprobe:

Einfach, klar, verständlich

10 Gebote zum journalistischen Stil

Von Till Kammerer

Jede neue Volontärsgeneration verinnerlicht in ihren Redaktionsbüros Handwerksregeln dazu, wie man als Journalist verständlich schreibt. Verständlichkeit ist eine journalistische „Leitwährung“: Der Lesende soll sich eingängiger Artikel erfreuen, statt über ellenlangen Sätzen, gestelztem Behördendeutsch oder Fremdwörtern an Sinn und Information eines Artikels oder Rundfunkbeitrags zu verzweifeln. Wer versteht, was er liest, hat deshalb aber nicht zwingend Freude daran. Journalistische Texte sollen auch sprachlich kreativ sein, ohne Literatur zu werden: Gute Journalisten fesseln ihre Leser mit stilistischen Finessen oder witzigen Wortspielen. Dabei werden sie nicht verspielt und vergessen ihren Inhalt. Sie informieren und unterhalten zugleich. Wie sieht sie aus, die redaktionelle Sprache, die diesen vermeintlichen Spagat als zentrale journalistische Herausforderung begreift, die diesen Beruf so spannend macht? Unser Autor Till Kammerer hat wichtige Regeln dafür zusammengestellt.

(1) Vergessen Sie Kleist!
Der römische Staatsmann Julius Cäsar und der deutsche Dichter Heinrich von Kleist hatten eines gemeinsam: Sie schrieben für ihr Leben gern Sätze, die dem Gegenwert einer heute handelsüblichen DIN-A5-Buchseite entsprachen. Solche, bei denen man am Ende vor lauter Nebensätzen den Hauptsatz längst vergessen hatte. Darum: Vergessen SIE bitte Kleist! Die wichtigste sprachliche „Währung“ des Journalismus lautet schließlich: Verständlichkeit.
Prüfen Sie doch einmal spaßeshalber, wie gut Sie den folgenden Satz verstehen. Er stammt aus dem „Käthchen von Heilbronn“ (www.kleist.org/
texte/DasKaethchenvonHeilbronnL.pdf, frühere Rechtschreibung aus dem Original):

„Wir, Richter des hohen, heimlichen Gerichts, die wir, die irdischen Schergen Gottes, Vorläufer der geflügelten Heere, die er in seinen Wolken mustert, den Frevel aufsuchen, da, wo er, in der Höhle der Brust, gleich einem Molche verkrochen, vom Arm weltlicher Gerechtigkeit nicht aufgefunden werden kann: wir rufen dich, Theobald Friedeborn, ehrsamer und vielbekannter Waffenschmied aus Heilbronn auf, deine Klage anzubringen gegen Friedrich, Graf Wetter vom Strahle; denn dort, auf den ersten Ruf der heiligen Vehme, von des Vehmherolds Hand dreimal, mit dem Griff des Gerichtsschwerts, an die Tore seiner Burg, deinem Gesuch gemäß, ist er erschienen, und fragt, was du willst?“  

Wer ist erschienen? Und was will der? Hand aufs Herz und abgesehen von heute altertümlich wirkenden Besonderheiten der Sprache aus Kleists Zeit: Wussten Sie am Ende Ihrer Lektüre noch, wer sich „wie ein Molch verkrochen“ hat?
Fazit: Im Sinne der Verständlichkeit auf Schachtelsätze verzichten. Aber Achtung: Eine Ballung ausschließlich kurzer Sätze ist ebenfalls keine Empfehlung! Sie führt zu einem, für Boulevard-Medien typischen, Hack- bzw. Stakkato-Stil. Dieser ermüdet den Lesenden und erschwert das Verständnis somit ebenfalls (vgl. Schneider, Wolf: Deutsch für Profis, 91).
Das Gute liegt, wie so oft, in der Mitte. Mein Tipp: Wechseln Sie zwischen mäßig langen und mäßig kurzen Sätzen. Doch was ist überhaupt ein „langer Satz“? Bildet man den ungefähren Mittelwert diverser professioneller Quellen, so landet man bei 15 Wörtern.

(2) Passiv bedeutet „Leideform“!
Das Passiv macht, grammatisch gesehen, betroffen. Es beschreibt eine Handlung, die mit einer Person oder Sache etwas anstellt. Darum heißt das Passiv auch „Leideform“: Jemand oder ein Ding erleidet etwas. Das gilt auch für Texte, über die das Passiv ausgeschüttet wird. Denn wie es so ist, wenn andere etwas mit einem machen: Man wird zum Statisten. Aktiv sind die Anderen. Und dynamisch ebenfalls, weshalb aktivische Texte lebendiger wirken als passivische.
Lassen Sie sich einmal die beiden folgenden Sätze im Sprachzentrum zergehen. Welcher klingt vitaler, persönlicher; weniger statisch, amtlich und bleiern?

a) „Die ausgearbeitete Skizze wird Ihnen in den folgenden Tagen zugesandt. Ihre Anregungen für das betriebliche Vorschlagswesen müssen auf der ersten Seite im unteren Drittel eingefügt werden.“

…  versus …

b) „Die ausgearbeitete Skizze senden wir Ihnen in den nächsten Tagen zu. Sie können Ihre Anregungen für das betriebliche Vorschlagswesen auf der ersten Seite im unteren Drittel einfügen.“

Fazit: Aktivische Texte wirken lebendiger als passivische. Aktiv statt Passiv verwenden!

Den vollständigen Artikel lessen Sie in der Ausgabe 3-2015 von TextArt.

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TextArt 2 / 2015

Leseprobe:

Mythologie - die nie versiegende Quelle

Wie man alte Helden- und Göttererzählungen für das eigene Schreiben nutzen kann

Von Stefan Schwidder

In der Schule waren die Geschichten von Odysseus, Prometheus oder Medea für viele vielleicht eher notwendiges Übel – für uns als Autorinnen und Autoren stellen sie einen unermesslich reichen Fundus an literarischen Figuren, Motiven, Plots und Geschichtenstrukturen dar, den es wiederzuentdecken gilt. Mehr noch – Mythen sind nicht einfach nur irgendwelche Geschichten, vielmehr repräsentieren sie ein Urwissen um die Zusammenhänge und Wirkungen des Lebens, um die Verbindung zwischen dem Äußeren und der seelisch-psychischen Innenwelt. Die Kenntnis und das Verständnis von Mythen bereichert unser kreatives Potenzial, lässt uns packende Geschichten erzählen und gibt uns Hinweise auf uns selbst und unseren Standort im Leben.

In unserem Kulturkreis sind wir vor allem von zwei bedeutenden Mythenkreisen geprägt: dem der nordischen Völker und der Kultur des klassischen Griechenlands. Sie sind aufgrund unserer Jahrhunderte alten Verwurzelung in ihnen noch heute von besonderer Bedeutung für uns. Die griechische Mythologie ist es dabei vor allem, die unser Verständnis von Geschichten beeinflusst hat – in ihr liegen bereits alle menschlichen Dramen und Höhenflüge wie auf einem Präsentierteller ausgebreitet vor uns. Wir müssen nur wieder lernen, zuzugreifen und uns großzügig aus diesem niemals versiegenden Quell schriftstellerischer Inspiration zu bedienen.

Unsere heutigen Geschichten sind wie die alten Mythen oft Beschreibungen dessen, was uns bewegt und berührt, was uns herausfordert oder wachsen lässt. In unserem Schreiben verlassen auch wir manchmal die Grenzen unseres Verstandes, und indem wir so über unser rationales Verstehen hinausgehen, können wir die Welt, in der wir leben, verstehen, begreifen und als kreative Quelle einsetzen. Moderne Mythen drehen sich wie ihre antiken Vorbilder um grundlegende menschliche Befindlichkeiten: Um Liebe und Leidenschaft, Verrat und Betrug, um nagende Eifersucht, unverbrüchliche Freundschaft oder heldenhaften Mut, um die Angst vor dem Tod, den tiefen Wunsch nach Frieden und die Hoffnung auf den Sieg des Guten über das Böse – all jene Stoffe also, die die Grundausstattung jedes modernen Hollywood-Blockbusters oder Bestseller-Romans sind.

Wir identifizieren uns mit den Protagonisten auf der emotionalen Ebene, sie stehen wie eine Art Ideal- oder Wunschbild stellvertretend für uns selbst mit all unseren Ängsten und Hoffnungen, Wünschen, Träumen und Kämpfen – und geben uns durch ihr Beispiel gleichzeitig Kraft, uns unserer eigenen Lebensreise immer wieder aufs Neue zu stellen und im Drama oder der Tragikomödie des Lebens zu bestehen. So erzählen wir auch in unserer schnelllebigen, oft oberflächlichen Zeit immer noch die gleichen alten Heldengeschichten wie zu Aischylos’, Sophokles’ und Homers Zeiten, nur fliegen unsere Protagonisten eben heute in Raumschiffen durch den Weltraum oder knacken geheime Computercodes, anstatt auf Segelschiffen das goldene Vlies zu suchen. Ob Odysseus’ Irrfahrten und Orpheus’ Abstieg in den Hades – oder Bruce Willis’ Kämpfe gegen das Böse und Harry Potters Abenteuer: Auch heute ist der Sieg des Lichts erst möglich, wenn die Untiefen der Schattenwelt durchwandert worden sind – die übrigens auch unser eigenes Unterbewusstes sein kann.
Immer noch berichten Geschichten über Mut und Ausdauer, unüberwindbar erscheinende Hindernisse, lockende Belohnungen, Freunde und Verbündete sowie Strategien und Lösungswege. Selbst beim Schreiben bewegen wir uns in einem ähnlichen Kreislauf wie alte Heldinnen und Helden: Wir verlassen unsere gewohnte Umgebung, tauchen in die Welt unserer Fantasie ein und kehren schließlich, verwandelt und mit einer Geschichte bereichert, in den Alltag zurück.

Eine lohnenswerte Schreibübung dazu wäre es, sich in einem ersten Schritt einmal zu überlegen, wie unsere eigene „Nachtfahrt der Seele“ aussieht – wo hat in unserem Leben ein „Abstieg in die Unterwelt“ stattgefunden, mit welchem Drachen oder Schatten Ungeheuer haben wir schon einmal gekämpft, wie sah unsere symbolische „Wiedergeburt“ aus – und wie hat uns diese Erfahrung verändert, uns zu „Helden“ oder „Heldinnen“ werden lassen?

Den vollständigen Artikel lesen Sie in Ausgabe 2-2015 von TextArt.

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TextArt 1 / 2015

Leseprobe:

Eines soll bleiben: das Schreiben

Die tägliche Schreibpraxis begleitet und leitet den Lebensweg

Von: Sabrina Gundert

Ort, Zeit und Werkzeug mögen wechseln, doch die gute Gewohnheit soll dauern: Ob Morgen- oder Abendseiten und gleich welchem Inhalt das regelmäßige Schreiben auch gewidmet ist, eines ist gewiss: Es dient nicht nur ganz pragmatisch der Übung und Schaffung eines Text-Fundus, sondern ebenso der Vergewisserung des Schreibenden – über die eigene Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft und die Dinge des Lebens im Allgemeinen und Besonderen. Sabrina Gundert gibt Anregungen für eine fruchtbare tägliche Schreib-Erfahrung.

Mit Worten in den Tag

Während wir als Jugendliche unser Tagebuch meist wie einen Schatz gehütet haben, ist diese tägliche Schreibpraxis als Erwachsene häufig gänzlich in Vergessenheit geraten. Dabei kann das Schreiben so viel: Es hilft uns, Erlebtes zu verarbeiten, Klarheit über Visionen und Träume zu bekommen und Erinnerungen wachzuhalten.
Das Tagebuchschreiben beispielsweise ist eine Form der täglichen Schreibpraxis, so wie die Morgenseiten, die Julia Cameron in ihrem Buch „Der Weg des Künstlers“ vorstellt. Diese Seiten, die direkt nach dem Aufwachen geschrieben werden, gleichen einer inneren Reinigung. Altes von gestern, Träume, die noch nachwirken, oder auch Sorgen und Ängste für den neuen Tag bekommen Raum auf dem Papier. Alles, was auf dem Papier ist, müssen wir nicht länger mit uns tragen. Es ist, als würden wir uns innerlich ausfegen und all das, was wir für den neuen Tag nicht brauchen, gleich am Morgen loslassen. Dies hilft uns, klar und frisch in den Tag zu starten.
Die Morgenseiten sind für mich zu so etwas wie einer Morgendusche geworden – ich wache auf, knipse das Licht an, setze mich auf und schreibe. Das war nicht immer so. Als ich zum ersten Mal von den Morgenseiten gelesen hatte, dachte ich: Das mache ich ab heute jeden Tag! – und gab nach wenigen Tagen wieder auf. Denn ich war getrieben gewesen von einem inneren Ich-muss-das-jetzt-machen-Gefühl, was jede Freude an diesem Tun vereitelt hat. Jahre später tauchte die Übung der Morgenseiten dann wie aus dem Nichts wieder in mir auf und seitdem sind die Morgenseiten fester Bestandteil meines Alltags geworden. Lasse ich sie doch einmal aus, weiß ich: Irgendetwas liegt im Argen. Gefühle, denen ich mich nicht nähern möchte, oder Unliebsames, das ich lieber nicht so genau anschauen möchte – denn bei den Morgenseiten kommt alles aufs Papier. Oder wie eine Schreibwerkstatt-Teilnehmerin sagte: „Ohne die Morgenseiten bin ich den ganzen Tag über zu nichts zu gebrauchen. Durch die Morgenseiten bekomme ich innere Klarheit im Kopf und kann dann gut in den Tag starten.“

Den gesamten Praxis-Artikel lesen Sie in der Ausgabe 1-2015.

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