Ausgaben 2016

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TextArt 04/2016

Leseprobe:

Welcher Schreibtyp sind Sie?

Wie Glaubenssätze und Ängste uns am Schreiben hindern

Von: Jurenka Jurk

Es ist ein leidiges Ding mit Ideal und Wirklichkeit: Auch um die schriftstellerische Arbeit ranken sich hartnäckig Mythen und Vorstellungen, die rigoros einfordern, wie ein „richtiger“ Autor zu sein und was er zu leisten hat. Daraus ergeben sich Ansprüche, die stets im Hintergrund lauern und dem Schreibenden mehr hinderlich als förderlich sind. Unsere Autorin Jurenka Jurk hat die wiederkehrenden Glaubenssätze einer eingehenden Prüfung unterzogen und zeigt Ihnen, wie Sie frei von allgemeinen Vorgaben Ihren eigenen Schreibrhythmus finden können. Denn eigentlich sollten Sie als Autor oder Autorin doch nur eines: schreiben, und zwar ganz „einfach so“, wie es Ihrem Typ entspricht.

Sie wollen schreiben, einen Roman vielleicht. Aber erst müssen Sie natürlich Ihr Handwerkszeug lernen. Sie besuchen Kurse, lesen Artikel, gründen vielleicht sogar eine Schreibgruppe ... und trotzdem klappt es nicht so richtig mit dem Schreiben?!
Vielleicht leiden Sie unter dem „Man-sollte-Phänomen“. Haben Sie damit begonnen, jeden Tag zu schreiben, am besten gleich nach dem Aufstehen – so wie man es machen sollte? Und Sie haben irgendwann aufgegeben, weil es für Sie nicht funktioniert hat? Jetzt nagt an Ihnen die Angst, dass Sie nie ein echter Autor sein werden, weil Sie ja nicht so schreiben können, wie es angeblich alle erfolgreichen Autoren machen.

Oder glauben Sie, Sie können nur richtig schreiben, wenn Sie endlich mal aus Ihrem Alltag rauskommen, weg von allem, am besten gleich ein, zwei Wochen? Weil man so am besten etwas aufs Papier bringt. Die Liste solcher Glaubenssätze ist lang.
Wenn es mit dem Schreiben nicht so klappt, wie Sie es sich wünschen, dann ist es an der Zeit, Ihre Glaubenssätze mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Oft stehen die Glaubenssätze nämlich mit Ihrem wahren Schreibtyp im Konflikt. Welcher Schreibtyp, glauben Sie, sollten Sie sein, und welcher sind Sie wirklich? Und wie passen Ihre Schreibbedürfnisse und Ihr Alltag zusammen?

Dabei gilt vor allem: Was für den einen funktioniert, hemmt möglicherweise den anderen. Finden Sie heraus, was Sie brauchen. Vielleicht sind Sie der chaotische, tiefenentspannte Nachtschreiber, wären aber lieber der regelmäßige, einsame Patchworker? Mit diesem Artikel können Sie Ihre Schreibinstinkte entdecken und lernen, diese in Ihre aktuellen Lebensumstände einzufügen. Ihr Schreibtyp ist übrigens nicht festgeschrieben, sondern kann sich über die Zeit verändern. Es lohnt sich also, immer wieder Ihre Schreibmuster zu untersuchen, wenn Sie beim Schreiben nicht mehr so richtig vorwärtskommen.

Zweifeln Sie noch oder schreiben Sie schon?

Wenn Sie jemand fragt, was Sie machen, sagen Sie dann, dass Sie ein Autor oder Schriftsteller sind? Glauben Sie, dass man veröffentlicht sein muss, bevor man sich so nennen darf? Oder trauen Sie sich gar nicht, mit dem Schreiben zu beginnen, weil Sie nicht wissen, wie Sie anfangen sollen? Und wenn, warum ist das so?

Sie schreiben – dann dürfen Sie sich Autor oder Autorin nennen! Um schreiben zu können, müssen Sie das nicht tun, aber es hilft. Denn es bedeutet, dass Sie Ihr Schreiben ernst nehmen, ihm Raum geben. Selbst wenn Sie nur für sich schreiben und Ihre Texte nie der Öffentlichkeit zeigen möchten, nennen Sie sich einen Autor oder eine Autorin. Rumort es bei diesem Gedanken in Ihnen? Das geht sicher vielen so. Es ist spannend, der inneren Stimme zuzuhören, die zweifelt und Angst hat. Wir alle haben diese unterschiedlichen Stimmen in uns. Oft sind sie gegensätzlich, aber sie haben alle ihre Berechtigung. Ich nenne meine inneren Stimmen gerne Zweifler oder Kritiker, Muse oder auch inneres Kind, Mentor etc.

Wenn ich einer Stimme lausche, schreibe ich das am liebsten gleich auf. Ohne gleich darüber nachzudenken oder in den Dialog zu treten. Dieses freie Schreiben bringt die tiefsten und ehrlichsten Gedanken hervor, die ich mir sonst oft gar nicht „erlaubt“ hätte, weil meine Vernunft sofort dazwischengefunkt hätte. Das Problem ist nämlich, die „Vernunft“ bringt zwar die anderen Stimmen gern zum Schweigen, aber deshalb bleiben die unausgesprochenen Ängste, Sorgen oder auch Freuden dennoch vorhanden. Zweifel haben ihre Ursache und je mehr man sich mit ihnen beschäftigt, statt sie zu unterdrücken, umso eher kommt man auch den Ursachen auf den Grund. Erst dann bekommen sie eine Chance, sich aufzulösen.

Mir erzählt mein Zweifler zum Beispiel, dass ich nie gut genug sein werde, dass ich mich bloßstellen werde, wenn ich etwas veröffentliche, dass der Weg zum fertigen Buch viel zu aufwendig ist und noch vieles mehr. Das Geniale ist, dass ich mit der inneren Stimme in den Dialog treten kann, sobald ich sie einmal zu Wort kommen habe lassen. Ab jetzt darf meine vernünftige Stimme wieder mitreden und konstruktiv verhandeln. Mit Respekt! Vielleicht so: „Du glaubst, du schaffst das nicht, weil ein Roman zu schreiben unglaublich komplex ist. Ich habe Techniken gelernt, um die Arbeit in ganz kleine Schritte zu zerlegen. Wenn ich dir sage, heute schreiben wir nur die Szene XY, meinst du, das schaffen wir dann?“ Ich fühle sofort, ob ich die richtige Lösung gefunden habe. Erleichterung macht sich in mir breit und ich kann mit dem Schreiben beginnen.

Sie können den Dialog auch mit der „vernünftigen Stimme“ beginnen, indem Sie sie die andere Stimme fragen lassen: Was hält dich davon ab, dich Autor zu nennen (oder etwas Bestimmtes zu tun)? Was brauchst du, damit du das überwinden kannst? Wie können wir das für dich erreichen? Wie wäre es, wenn wir ...?

Es gibt Wochen, da beginne ich jeden Tag mit so einem Dialog. In anderen Zeiten läuft mein Schreiben dann wieder leichter. Die meisten Autoren leben mit Zweifeln, auch diejenigen, die schon viele Bücher veröffentlicht haben. Es geht nur darum, einen Weg mit den Zweifeln zu finden und nicht gegen sie zu kämpfen. (…)

Den vollständigen Artikel lesen Sie in Ausgabe 4-2016.

 

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