Ausgaben 2015

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TextArt 01/2015

Leseprobe:

Eines soll bleiben: das Schreiben

Die tägliche Schreibpraxis begleitet und leitet den Lebensweg

Von: Sabrina Gundert

Ort, Zeit und Werkzeug mögen wechseln, doch die gute Gewohnheit soll dauern: Ob Morgen- oder Abendseiten und gleich welchem Inhalt das regelmäßige Schreiben auch gewidmet ist, eines ist gewiss: Es dient nicht nur ganz pragmatisch der Übung und Schaffung eines Text-Fundus, sondern ebenso der Vergewisserung des Schreibenden – über die eigene Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft und die Dinge des Lebens im Allgemeinen und Besonderen. Sabrina Gundert gibt Anregungen für eine fruchtbare tägliche Schreib-Erfahrung.

Mit Worten in den Tag

Während wir als Jugendliche unser Tagebuch meist wie einen Schatz gehütet haben, ist diese tägliche Schreibpraxis als Erwachsene häufig gänzlich in Vergessenheit geraten. Dabei kann das Schreiben so viel: Es hilft uns, Erlebtes zu verarbeiten, Klarheit über Visionen und Träume zu bekommen und Erinnerungen wachzuhalten.
Das Tagebuchschreiben beispielsweise ist eine Form der täglichen Schreibpraxis, so wie die Morgenseiten, die Julia Cameron in ihrem Buch „Der Weg des Künstlers“ vorstellt. Diese Seiten, die direkt nach dem Aufwachen geschrieben werden, gleichen einer inneren Reinigung. Altes von gestern, Träume, die noch nachwirken, oder auch Sorgen und Ängste für den neuen Tag bekommen Raum auf dem Papier. Alles, was auf dem Papier ist, müssen wir nicht länger mit uns tragen. Es ist, als würden wir uns innerlich ausfegen und all das, was wir für den neuen Tag nicht brauchen, gleich am Morgen loslassen. Dies hilft uns, klar und frisch in den Tag zu starten.
Die Morgenseiten sind für mich zu so etwas wie einer Morgendusche geworden – ich wache auf, knipse das Licht an, setze mich auf und schreibe. Das war nicht immer so. Als ich zum ersten Mal von den Morgenseiten gelesen hatte, dachte ich: Das mache ich ab heute jeden Tag! – und gab nach wenigen Tagen wieder auf. Denn ich war getrieben gewesen von einem inneren Ich-muss-das-jetzt-machen-Gefühl, was jede Freude an diesem Tun vereitelt hat. Jahre später tauchte die Übung der Morgenseiten dann wie aus dem Nichts wieder in mir auf und seitdem sind die Morgenseiten fester Bestandteil meines Alltags geworden. Lasse ich sie doch einmal aus, weiß ich: Irgendetwas liegt im Argen. Gefühle, denen ich mich nicht nähern möchte, oder Unliebsames, das ich lieber nicht so genau anschauen möchte – denn bei den Morgenseiten kommt alles aufs Papier. Oder wie eine Schreibwerkstatt-Teilnehmerin sagte: „Ohne die Morgenseiten bin ich den ganzen Tag über zu nichts zu gebrauchen. Durch die Morgenseiten bekomme ich innere Klarheit im Kopf und kann dann gut in den Tag starten.“

Den gesamten Praxis-Artikel lesen Sie in der Ausgabe 1-2015.

 

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